24.08.2016 rss_feed

Wissenschaftler fordern mehrstufige Kennzeichnung von Lebensmitteln

Sterne für den Tierschutz; Foto (c) Universität Göttingen
So könnte es aussehen, das neue Tierwohllabel, mit dem Wissenschaftler eine bessere Information der Verbraucher anstreben. Das geht aus einer Pressemeldung hervor, die die Universität Göttingen soeben veröffentlicht hat. Grundlage sei eine repräsentative Umfrage bei rd. 1.500 Verbrauchern in ganz Deutschland, heißt es dort. Andere Wissenschaftler warnen ausdrücklich vor einer Überbewertung von Verbraucherumfragen, insbesondere wenn es sich um emotionale Themen handelt.

Wahrhaftig ist einzig das Verbraucherverhalten. Verbraucher stimmen tagtäglich mit ihren Einkäufen an der Ladentheke darüber ab, was sie wirklich wollen. Auch dazu gibt es zahlreiche Studien. Ethologen sprechen in diesem Zusammenhang gerne vom Moral-Paradoxon.
Das bestätigen Erfahrungen mit anderen Labeln (FairTrade, Bio, Carbon-Footprint), die meist nur in Nischen funktionieren. Selbst beim Lebensmitteleinkauf von Markenprodukten verhalten sich Verbraucher anders, als es Marketingprofis gemeinhin annehmen: Handelsmarken scheinen beim Verbraucher beliebter als Markenartikel. Der Verbraucher kann keine Qualiätsunterschiede feststellen, er vertraut dem Handel und die Handelsmarken sind spürbar preiswerter. Das wiederum ist ein Indikator für die Preissensibiliät der Verbraucher und bestätigt die Ergebnisse der o.g. Studien.

Und natürlich beinhalten Label auch Risiken: sie suggerieren, dass andere Produkte schlechter sind. Dabei sagen Haltungssysteme i.d.R. nichts über die Produktqualität aus. Hinzu kommt die Frage nach welchen Kriterien das Tierwohl bewertet wird.

Grundsätzlich suchen Landwirte - und der Handel - nach Wegen für eine stärkere Preissegmentierung, um höhere Preise zu generieren. Durch ihre Unterstützung der Initiative Tierwohl haben Landwirte längst bewiesen, dass sie in mehr Tierwohl investieren wollen, wenn es vom Markt nachhaltig honoriert wird.
Allerdings befürchten Kritiker, dass die Einführung eines Tierwohllabels nur Verlierer produziert. Die dt. Wirtschaft könnte in ihrer Wettbewerbsfähigkeit geschwächt werden, insbesondere wenn eine europäische Abstimmung und sozio-ökonomische Folgenabschätzungen unterbleiben. Die nächste Aufgabe für die Wissenschaft wird also sein, diese Ängste und offenen Fragen abzuarbeiten, um gesicherte Antworten geben zu können.

Und letztlich sollte bei der Diskussion um ein Tierwohllabel das Tier nicht vergessen werden. (sk)

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