21.09.2018rss_feed

Kastration: Niedersächsischer Antrag auf Fristverlängerung kriegt keine Mehrheit

Der Antrag auf Verlängerung der befristeten Übergangsregelung um zwei Jahre bei der Ferkelkastration ohne Betäubung bekommt im Bundesrat keine Mehrheit, informiert top agar aktuell auf seiner Homepage. Damit bleibt es zunächst bei der Betäubungspflicht ab 2019, obwohl die Wirtschaft und Experten mehr Zeit gefordert haben, um weitere Alternativen testen zu können. Der Bundesrat hat heute Morgen zur Fristverlängerung für die betäubungslose Ferkelkastration abgestimmt.

Das ist ein harter Schlag für alle Sauenhalter in Deutschland, kommentierte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast die Entscheidung in einer aktuellen Pressemeldung. Sie hatte zuvor in ihrer Rede betont, dass sie den Ausstieg aus der Kastration ohne Betäubung grundsätzlich nicht in Frage stellt. Wer Tierschutz will, muss regionale Sauenhalter stärken, betonte die Ministerin. Der mit langen Transportwegen verbundene Import von Ferkeln aus Drittländern stelle überhaupt keine Alternative dar.


Der BRS kommentiert:

Die heute gefallene Entscheidung ist weder aus marktwirtschaftlicher noch aus fachlicher Sicht nachzuvollziehen. Heute wurde von Niedersachsen ein Plenarantrag für eine Verlängerung der befristeten Übergangsregelung um zwei Jahre bei der Ferkelkastration ohne Betäubung in das Plenum des Bundesrates eingebracht. Unterstützt wurde der Antrag von Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen. Der Mehrheit des Bundesrats stimmte gegen den Antrag Niedersachsens, obwohl Marktsignale und Expertenmeinung deutlich zeigen, dass es noch Zeit braucht, um offene Fragen bei allen Alternativen zu beantworten und zu einer marktkonformen Lösung zu gelangen.

Lediglich einige Lebensmitteleinzelhändler erklären sich bereit, Eber oder immunokastrierte Schweine abzunehmen und das auch nur für ihr Frischfleischsortiment. In der verarbeiteten Ware werden fast ausschließlich kastrierte Tiere nachgefragt. Somit nehmen auch die Schlachthöfe den Landwirten nur einen geringen Anteil Eber ab. Nach heutigem Stand müssen somit ab 1. Januar 2019 alle übrigen Eber mittels Injektionsnarkose durch den Tierarzt kastriert werden. Aufgrund einer mangelnden Anzahl an Tierärzten, einer langen Nachschlafphase bei den Ferkeln (ggf. mit Unterkühlung, ausbleibende Milchaufnahme und erhöhte Erdrückungsverluste) und hohen Kosten ist diese Methode weder zuverlässig anwendbar, noch wirtschaftlich oder ein weiterer Fortschritt im Tierschutz.

Zusätzlich werden mit dieser Entscheidung künftig die Ferkelimporte drastisch ansteigen, da deutsche Mäster kastrierte ausländische Ferkel kaufen werden. Bereits heute stammt jedes vierte Ferkel aus dem europäischen Ausland. Die nationale Politik hat sich somit gegen Nämlichkeit und Regionalität in Deutschland entschieden und ein unangenehmes Thema auf Kosten der deutschen Sauenhalter hinter die Grenzen geschoben.

Das ist aus Sicht des Bundesverbandes Rind und Schwein e. V. keine Unterstützung des ländlichen Raumes und kein Tier- oder Verbraucherschutz! Das ist Augenwischerei und ideologisches Handeln.


Kontakt

Dr. Nora Hammer
n.hammer @ rind-schwein.de
Tel.: 0228 91447 41