Mitgliedergruppe Milchrind
Zu den wichtigsten Themen und Maßnahmen im Geschäftsjahr 2024/25 gehörten in der Mitgliedergruppe Milchrind:
National
- Einführung Single-Step-ZWS
- Einführung der Beef-on-Dairy-Zuchtwerte
- Erweiterung CFIT (Futteraufnahmeerfassung über Kamerasysteme)
- Herausgabe der
Infos aus BRS und vit
und Medienpartnerschaft mit KuhFacto - Planung der 1. BRS-Convention und Verleihung der BRS Awards in der Mitgliedergruppe Milchrind
- Betreuung von KuhVision und Herdentypisierung
- Beantwortung von Fragen zum Tierzuchtrecht der Mitglieder (z.B. Überarbeitung Musterzuchtprogramm Holsteins)
- Mitarbeit in verschiedenen FBF-Projekten
- Planung und Durchführung Gemeinschaftsstand zur EuroTier 2026
- Nationale Statistiken (wie Zuchtviehvermarktung, Entwicklung der Milchleistung, Lebensleistung und Lebenstagsleistung u.v.m.)
- Nationale Gremien (Zuchtausschuss, Mitgliedergruppensitzung und div. Arbeitsgruppen)
Klassifizierung und Jungzüchterarbeit:
- Durchführung von Klassifiziererschulungen
- Auswertung der jährlichen Klassifiziererdaten
- Einarbeitung neuer Klassifizierer
- Durchführung von Bulleneinstufungen
- Organisation von Preisrichterworkshops
- Zusammenarbeit mit dem Verband deutscher Jungzüchter (VdJ)
International
- Gremienarbeit im Welt- (WHFF) und im Europäischen (EHRC) Holsteinverband
- Zusammenarbeit in EuroGenomics
- Genomischer Service für Dritte
Milchrinderzucht
Entwicklung neuer Zuchtwerte und Zuchtwertschätzverfahren
Single Step
Im April 2025 wurde mit der Single-Step-Methode die Holstein-Zuchtwertschätzung grundlegend auf ein neues modernes Verfahren aufgesetzt. Dieses schätzt die Zuchtwerte nicht mehr wie das alte Multi-Step-Verfahren in mehreren Teilschritten, sondern bezieht in einem Rechenschritt alle notwendigen Informationen aus Phänotypen, Pedigrees und Genotypen ein und gibt direkt genomische Zuchtwerte aus. In Single-Step werden nun auch nicht genomisch untersuchte Tiere zu einer wertvollen Informationsquelle für die genomische Zuchtwertschätzung. Zusätzlich steigen die Sicherheiten insbesondere bei den Gesundheitszuchtwerten. Höhere Sicherheiten führen dabei neben einem höheren Zuchtfortschritt auch zu einer stabileren Zuchtwertschätzung. Dennoch hat die Einführung auch zu einigen spürbaren Änderungen geführt. Der BRS hat die Single-Step-Arbeiten in zahlreichen Gremiensitzungen aktiv begleitet und die Einführung durch Pressemitteilungen und in den eigenen Medien publiziert.
Mit der Umstellung auf Single-Step im April 2025 mussten auch das Zuchtprogramme für Deutsche Holsteins angepasst werden. Hier hat BRS die Koordination übernommen. Die Umstellung bei den kleineren Milchviehrassen erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.
BoD-Zuchtwerte
In 2024 hat der BRS die Arbeitsgruppe zur Entwicklung einer Beef-on-Dairy-Zuchtwertschätzung wieder aufgenommen. Diese hatte zeitweise geruht, da das Mindesttransportalter der Kälber von 14 auf 28 Tage zum 1. Jan. 2023 angehoben wurde. Wie sich dies auf Vermarktungsgewichte und -preise auswirkt, war zunächst nicht absehbar. Auswertungen von vit Verden zeigen aber, dass die Datensätze sowohl von vor als auch nach der Gesetzesänderung gemeinsam in einem Modell genutzt werden können. Die AG befasst sich daher nun intensiv mit einer Modellentwicklung für die Merkmale Vermarktungsgewicht und Vermarktungspreis der Kreuzungskälber.
CFIT/MethaBreed
2025 wurde ein weiterer Praxisbetrieb mit dem CFIT-Kamerasystem von Viking Genetics ausgestattet. Die Daten, die die 3D-Kameras über die Futteraufnahme und die Gewichte der Kühe im Stall liefern, müssen über verschiedene Schnittstellen gemeinsam mit den tierindividuellen Daten und Informationen aus den Computern des vit und des LKV zu Viking geliefert werden, bevor sie dann (aufbereitet) zum vit zurückkommen und dort in die Zuchtwertschätzung einfließen. Außerdem werden die Daten aus beiden Systemen auch für das Projekt MethaBreed verwendet werden. Ziel im Projekt MethaBreed ist die Schätzung von Zuchtwerten für Methan-Emissionen, die langfristig in die Routine der Zuchtorganisationen einfließen sollen. Damit soll ein zusätzlicher, zukunftsweisender Baustein im Zuchtziel verankert werden. Grundlegend für die Berechnung des Methan-Zuchtwertes ist die Messung der Methan-Emissionen, die in Melkrobotern mit den sogenannten Sniffern durchgeführt werden kann. Zu beachten ist, dass ebenfalls Leistungs - und Effizienzsteigerung zu geringen Emissionen führen. Eine Berücksichtigung der tatsächlichen Methan-Emissionen ermöglicht potenziell jedoch eine umfassendere Reduktion der Emissionen.
MethaBreed wird in enger Kooperation von Universitäten (Gießen, Kiel, Hohenheim), dem vit aus Verden, dem FBF e.V. und Praxisbetrieben durchgeführt. Der BRS ist dabei für den FBF mit der Betriebsakusie und Betreuung eingebunden, sowie für das Kamerasystem CFIT verantwortlich. Diese enge Verzahnung von Grundlagenforschung, angewandter Forschung und praktischer Zuchtarbeit schafft die Basis, um die Potenziale der Zucht auf reduzierte Methanemissionen verantwortungsvoll zu nutzen.
BRS Convention & BRS-Awards
Anfang Juli 2025 hätte die erste BRS Convention stattfinden sollen. Diese wurde in Zusammenarbeit der Rinder-Mitgliedergruppen geplant, musste jedoch mit großem Bedauern aufgrund zu weniger Anmeldungen vom BRS abgesagt werden.
Die zwei geplanten Awards in der Mitgliedergruppe Milchrind wurden jedoch dennoch verliehen. Dazu besuchten Vertreter des BRS die zwei Gewinner, Klaus-Dieter Augustin (Future Dairy Farmer Award 2025) und Jürgen und Dennis Hintze (Holstein-Züchter 2025). Beide Preisträger haben sich über den Besuch und die Auszeichnung gefreut. Auch zukünftig sollen die Awards verliehen werden, dann aber mit noch engerer Einbindung der Zuchtorganisationen.
Informationen aus BRS und vit
Nach der Einstellung des milchrind-Magazins Ende 2022 gibt der BRS gemeinsam mit vit dreimal jährlich kurz nach den Hauptzuchtwertschätzungen die Infos aus BRS und vit auf vier Seiten heraus. Publiziert werden die Seiten in den Magazinen und den Websites der Zuchtorganisationen. Zusätzlich wurde das Online-Angebot unter www.richtigzuechten.de weiter ausgebaut und bietet neben vertiefenden Informationen zu Artikeln auch Statistiken z.B. rund um Milchleistungen und Auktionsvermarktung.
Ausbildung und Schulungen
KuhVison-Treffen
In den Projekten KuhVision und Herdentypisierung fand im Mai 2025 ein Treffen in Bocholt statt. Zu diesem Treffen hat Caisley für die KuhVisions-Betreuer die Tore geöffnet und spannende Einblicke in die Ohrmarkenproduktion gewährt. Neben den deutschen Zuchtorganisationen waren auch Vertreter aus Österreich und Luxemburg nach Bocholt gereist. An der inhaltlichen Gestaltung beteiligten sich zusätzlich IFN, vit und BRS. Zum Abschluss hat die RUW-Besamungsstation in Borken ihre Tore für alle Interessierten geöffnet. Spannende Diskussionen und ein reger Austausch machen diese regelmäßigen Treffen so wertvoll.
Klassifiziererschulungen
Im Bereich Exterieur wurden neben den jährlichen Auswertungen zur Nachzuchtbewertung (Abgleich mit dem Klassifizierzertifikat) und Kuheinstufung sieben Schulungen zur Harmonisierung durchgeführt und vier neue Nachzuchtbewerter eingearbeitet. Außerdem fand im Juni 2025 eine Große Klassifizierertagung
mit allen Klassifizieren und Bewertern statt.
Bulleneinstufung
2025 wurden bei zwei Mitgliedsorganisationen 27 Bullen zur Einstufung vorgestellt. Die Bullenklassifizierung gehört zu den Hoheitlichen Aufgaben und wird für die Merkmale Milchtyp (20%), Körper (35%) und Fundament (45%) vorgenommen, um dann eine Gesamtnote zu bilden. Eine exzellente Bewertung ist ab dem Alter von 3 Jahren möglich. Die höchste Bewertung im vergangenen Jahr erhielt der Bulle Solito Red der Masterrind mit EX 93.
Projekt Vermessung von Färsen
Im Rahmen der Nachzuchtbewertung wurden für ein Projekt 2100 Färsen über alle Zuchtgebiete zusätzlich in 13 Merkmalen vermessen. Ziel dieses Projektes ist zum einen die Werte aus der Linearen Beschreibung zu prüfen und die Entwicklung der Zucht aus den letzten 10 Jahren mit den Daten von damals zu vergleichen. Aktuell läuft die finale wissenschaftliche Auswertung in Zusammenarbeit mit der Universität Halle.
TierburteilungApp JZClaas
2025 wurde die TierbeurteilungsApp JZClaas für Jungzüchterwettbewerbe bei den allermeisten Verbänden etabliert. Die App wurde durch die Qnetics in Zusammenarbeit mit dem BRS entwickelt und erleichtert dir Durchführung von Tierbeurteilungswettbewerben. Die Ergebnisse sind direkt nach dem Wettbewerb verfügbar und die Teilnehmer können nach einer Aktualisierung die Abweichungen zur Vorbewertung einsehen.
Gremienarbeit in WHFF & EHRC
Auch im vergangenen Jahr war der BRS bei der Bearbeitung verschiedener Themen in den internationalen Gremien WHFF und EHRC intensiv eingebunden.
WHFF
Das Hauptaugenmerk der Aktivitäten im WHFF Council fiel im vergangenen Jahr vor allem auf zwei digitale sowie eine Präsenz-Sitzung-im ungarischen Budapest. Die zentralen Themen lagen dabei im Austausch und in der Entwicklung vergleichbarer Merkmale in Bezug auf `Beef on Dairy` sowie `Methan-Reduktion`.
Innerhalb der WHFF Monogenetic Traits Working Group gab es keine Veränderung bezüglich des Auftretens relevanter neuer genetischer Besonderheiten. Die bereits gelisteten genetischen Besonderheiten behielten Ihren Status.
In der WHFF Arbeitsgruppe Type Harmonisation wurde in zwei Meetings der Workshop für April 2025 vorbereitet. Dabei wurden sowohl die Auswahl der Themen für den Theoriepart behandelt als auch der Fokus der Merkmale und Tierauswahl für die praktische Übung festgelegt.
EHRC
Im März 2025 fand ein EHRC Committee Meeting bei Holstein UK in Telford statt. Auf EHRC-Ebene bestimmte in erster Linie die Weiterentwicklung der Qualität der Europäischen Preisrichterschulungen die Debatte. Am zweiten Tag diskutierten die Committee Mitglieder über mögliche neue Betätigungsfelder für den EHRC. Mit der weiteren Ausgestaltung dieser Fragestellung wurde eine Taskforce aus den Committee Mitgliedern betraut.
Aktivitäten in EuroGenomics
Im Verbund der Eurogenomics-Partner wurde nach Verhandlungen mit Illumina und Thermo Fisher ein neuer Chip-Vertrag mit Illumina für 5 Millionen Proben unterzeichnet. Im Rahmen des Vertrags implementieren die Labore die EXCALIBUR-Technologie. Diese neue Arbeitsmethode umfasst eine stärkere Automatisierung, neue Reagenzien und ermöglicht die Verarbeitung einer höheren Probenanzahl pro Chip. Obwohl ein neuer Vertrag mit Illumina unterzeichnet wurde, prüft die EG-Geschäftsleitung weiterhin eine mögliche Zusammenarbeit mit Thermo Fisher. Die Pilotstudie mit Thermo Fisher ging 2025 in die zweite Phase.
Verkauf genomischer Zuchtwerte
Im genomischen Service bietet der BRS Spermaimporteuren genomische Zuchtwerte für Bullen und einzelne weibliche Tiere an. Die Nachfrage nach deutschen Zuchtwerten sowohl für weibliche Kälber als auch für männliche Kandidaten ist gut. Der BRS verkauft neben deutschen Zuchtwerten auch Zuchtwerte auf allen EuroGenomics-Skalen.
Jungzüchterarbeit Milchrind
Bundesjungzüchtertreffen (Milchrind)
Vom 12.-15. Juni 2025 fand das diesjährige Bundestreffen der Milchrindjungzüchter in Verden (Aller) in der Niedersachsenhalle statt. Gemeinsam hatten VdJ, die Masterrind und der BRS das viertägigen Treffen mit gut 100 Teilnehmern in 4 Wettbewerben organisiert.
Am Donnerstag begann das Treffen mit dem Tierbeurteilungswettbewerb, am Freitag folgten der Clipping- sowie Typwettbewerb, am Samstag wurden dann die besten Vorführer ermittelt. Am Ende standen Jurina Bohlen und Laura Busse in den Alterskategorien als Gesamtsieger fest.
3. Jugendpolitisches Forum in Berlin
Rund 50 junge Menschen aus Verbänden, Unternehmen und Hochschulen diskutierten auf Einladung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) zwei Tage lang über die Transformation der Landwirtschaft – auch mit Bundesminister Alois Rainer.
Rainer betonte, junge Menschen seien die Zukunft der Landwirtschaft. Er wolle ihren Berufseinstieg erleichtern, Junglandwirtinnen und Junglandwirte stärker fördern und Jugendbeteiligung ausbauen. Zugleich brauche die Politik das Engagement der jungen Generation.
Das Forum dient als Plattform für Dialog, Vernetzung und die Entwicklung von Ideen für zukunftsfähige Agrar-, Forst- und Ernährungssysteme. In vier Workshops erarbeiteten die Teilnehmenden konkrete Vorschläge und übergaben Forderungen für mehr Jugendbeteiligung. Staatssekretärin Martina Englhardt-Kopf sagte eine Prüfung zu. Zudem kündigte der Minister eine Fortsetzung des Formats im kommenden Jahr an.
Der Verband deutscher Jungzüchter e.V. (VdJ) war durch Annika Lünschen-Strudthoff zugegen und vertrat die Position der deutschen Rinderzucht.
















