Deutschland braucht einen neuen Zerlegeversuch
SuS, Ausgabe 5.2026 - Die gewebliche Zusammensetzung des Schweineschlachtkörpers bildet eine zentrale Datengrundlage für die Schlachtkörperbewertung, die Zucht und die Verarbeitung. Der letzte umfassende, repräsentative Zerlegeversuch liegt Jahre zurück. Seitdem haben sich Genetik, Fütterung, Zuchtziele und die Anforderungen der Fleischwirtschaft weiterentwickelt. Ob die bisherigen Daten die heutige Schweinepopulation noch ausreichend abbilden, ist daher eine berechtigte Frage. Ein neuer Zerlegeversuch würde aktuelle und belastbare Daten unteranderem über Fleisch, Fett, Knochen, Sehnen und Schwarte liefern. Diese Daten sind notwendig, um bestehende Klassifizierungs- und Schätzformeln zu überprüfen und an die heutige Schweinepopulation anzupassen.
Der Blick in die Niederlande zeigt, dass es möglich und notwendig ist: Für die Einführung einer neuen Klassifizierungstechnik wurden dort aktuelle Daten aus einem neuen Zerlegeversuch als Grundlage herangezogen. Währenddessen arbeitet Deutschland weiterhin mit einer Datengrundlage aus einem längst vergangenen Zerlegeversuch. Bundesverband Rind und Schwein e.V. fordern deshalb einen neuen, bundesweiten Zerlegeversuch. Denn nur mit aktuellen Referenzdaten können die Formeln zuverlässig neu kalibriert werden – und nur so lässt sich eine faire, transparente und nachvollziehbare Vergütung der tatsächlichen Fleischqualität sicherstellen.
