14.06.2021

Verbändebündnis fordert Stärkung der Weidetierhaltung bei der GAP-Reform

Grünlandflächen tragen zum Schutz der biologischen Vielfalt und zu einem geregelten Wasserhaushalt bei. Sie verhindern Bodenerosion und Nährstoffausträge. Außerdem ist Grünland ein guter Kohlenstoffspeicher und prägender Bestandteil des Landschaftsbildes. Grünland speichert rd. 1,5 Mrd. t C02äq. in den oberen 30 Zentimetern. Das sind 420 Mio t Humuskohlenstoff, erinnert Dr. Nora Hammer, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Rind und Schwein e.V. (BRS). Die Landwirtschaft ist mit der Tierhaltung wesentlich für die Entstehung des Grünlandes verantwortlich und ein Garant für dessen Erhalt: Landwirtschaft und Grünland bedingen sich gegenseitig. Seit über 10 Jahren wird in Deutschland für alle Grünlandflächen eine Basisprämie von knapp 300 Euro je Hektar gewährt, die durch Agrarumweltmaßnahmen der 2. Säule der GAP ergänzt werden. Mit der GAP-Reform soll die Basisprämie ab 2023 auf ca. 150 Euro je Hektar halbiert werden. Die Entwürfe für die nationalen GAP-Gesetze und für den Strategieplan sind jedoch nicht ausreichend, befürchtet Dr. Nora Hammer. Die Weidetierhaltung droht trotz der Einführung einer Prämie für Mutterschafe, Ziegen und Mutterkühe zum Verlierer der GAP-Reform zu werden.

In einem gemeinsamen Positionspapier bekräftigen der Bundesverband Rind und Schwein gemeinsam mit dem Deutsche Bauernverband (DBV), der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) und dem Bundesverband Deutscher Ziegenzüchter (BDZ) den Bedarf nach Verbesserungen für eine hinreichende Stärkung der Weidetierhaltung und der Grünlandwirtschaft im Zuge der GAP-Reform ab 2023.

Der Gesetzesbeschluss des Bundestages vom 11.6.2021 zu den Eco Schemes ist in mehrerlei Hinsicht unzureichend, urteilt die Geschäftsführerin des Bundesverbandes. Erforderlich ist eine passgenauere und insgesamt stärkere Honorierung der Grünlandbewirtschaftung bei den Eco Schemes. Nur so könne das politische Ziel, Weidetierhalter und Grünlandbetriebe im Zuge der GAP-Reform ab 2023 mit wirtschaftlichen Perspektiven wirksam zu fördern, besser eingelöst werden.

Unter den Forderungen und Maßnahmen in beiden Säulen der GAP-Förderung heben DBV, BRS, VDL und BDZ folgende gemeinsame Kernanliegen hervor:

  • Grünland-Klima-Bonus in die Eco Schemes: Grünlandbewirtschaftung ist ein Alleinstellungsmerkmal und verdient eine Honorierung im Sinne des Klima- und Umweltschutzes. Denn ein Hektar Grünland bindet 39 Tonnen Kohlenstoff (bzw. 143 Tonnen CO2-Äquivalent) zusätzlich im Vergleich zu Ackerland. Vorgeschlagen wird ein Grünland-Klima-Bonus von ca. 90 Euro/ha p.a.
  • Weidetierhaltungsprogramme für alle Tierarten: Eine allgemeine Öffnung von Förderprogrammen zur Weidetierhaltung (Sommerweidehaltung) für alle Tierarten, also einschließlich Schafe, Ziegen und Mutterkühe.
  • Tierprämie bürokratiearm: Praxisorientierte Ausgestaltung der Prämiengewährung, insbesondere einfacher und reibungsloser Datenabgleich mit anderen Datenquellen, möglichst automatisiert mit Tierbestandsregistern (u.a. HIT-Datenbank).

Das vollständige Positionspapier des Deutschen Bauernverbandes (DBV), des Bundesverbandes Rind und Schwein (BRS), der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) und des Bundesverbandes Deutscher Ziegenzüchter (BDZ) steht  zum Download bereit.