28.02.2020

Nationales Wissensnetzwerk Kupierverzicht

Der bundesweite Aktionsplan Kupierverzicht soll die Schweinehalter bei der Haltung unkupierter Tiere unterstützen und schrittweise zum generellen Kupierverzicht in Deutschland führen. Somit müssen sich die Schweinehalter bundesweit zeitnah noch viel stärker mit der Thematik auseinandersetzen. Zunächst gilt es jedoch, das Schwanzbeißen bei den Schweinen in den Betrieben zu reduzieren und entsprechende betriebsindividuelle Verbesserungsmaßnahmen einzuleiten.

Durch verschiedenste Projekte und Praxiserfahrungen bis hin zu den Modell- und Demonstrationsbetrieben gibt es bereits umfangreiches Wissen zu diesem komplexen Thema. Entscheidend ist jedoch dieses Wissen in die Breite der Betriebe zu bringen. Als Indikator für den Erfolg des Aktionsplans kann letztlich der Anteil unkupierter Schweine in Deutschland herangezogen werden. Wichtig ist jedoch, dass auch die Maßnahmen bekannt sind, die zu Erfolgen oder Misserfolgen geführt haben.

Zur Erreichung der Projektziele sind eine Reihe verschiedener Umsetzungsschritte vorgesehen.

  1. Infotelefon: Hierüber soll Auskunft u. a. auch zum Aktionsplan gegeben und geeignete Ansprechpartner vermittelt werden
  2. Schaffung einer Datengrundlage: Ermittlung der Ist-Situation auf den Betrieben in Deutschland, für eine spätere Evaluation der eingeleiteten und umgesetzten Maßnahmen und um den Fortschritt auf den Betrieben festzustellen. Das Wissen bisheriger und neu gewonnener Erkenntnisse und Praxiserfahrungen soll zu Tierärzten und Beratern transferiert werden.
  3. Digitale Instrumentarien/Onlinetool: Die Betriebe, Landwirte und Tierärzte werden bei der praktischen Umsetzung von Maßnahmen gegen das Schwanzbeißen durch digitale Instrumentarien unterstützt. Hierzu soll ein Onlinetool entwickelt werden, über das die notwendigen Informationen erfasst, gebündelt und zentral abgelegt werden. Dabei sollen bereits vorhandene Daten genutzt, als auch erforderliche Daten ergänzt werden.
  4. App: Diese Informationen sollen nicht nur betriebsindividuell, sondern auch anonymisiert überbetrieblich ausgewertet werden, um den grundsätzlichen Erfolg der Maßnahmen zu bestimmen. Dazu soll eine App erstellt werden, welche die Erfassung im Stall vereinfachen soll.
  5. Videos: Erfahrungen von Leuchtturmbetrieben, die unkupierte Schweine halten, sollen dazu beitragen, Maßnahmen einzuordnen. Ergänzend soll eine Expertengruppe die Situation auf Betrieben in Finnland und Schweden genauer analysieren. Beides ist in Form von Videoreportagen zusammenzufassen.
  6. Infoveranstaltungen, Seminare, E-Learning: Der Wissenstransfer ist der zentrale Baustein des Projektes. Hierfür sollen deutschlandweit öffentliche Infoveranstaltungen, Seminare für Schweinehalter und Beratertreffen organisiert werden. Um die Erkenntnisse anschaulich und strukturiert einer breiten Teilnehmerzahl zugänglich zu machen, sollen zu verschiedenen Themenkomplexen auch E-Learning-Module entwickelt werden.

Projektnehmer und Kooperationspartner sind der Förderverein Bioökonomieforschung e.V. (FBF), die ISN-Projekt GmbH (ISN) und die IQ-Agrar Service GmbH (IQA). Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert und wird im Rahmen der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz in der Projektphase Wissen Dialog Praxis durchgeführt.

Ansprechpartner:

Lea Blechmann

bl@fbf-forschung.de

0228/91447-78 

Schulungen Nationales Wissensnetzwerk Kastration



open_in_newOnline-Hilfe: Start Kupierverzicht

Entscheidungshilfen für die Ferkelkastration

Mit einem umfassenden Medienpaket, das eine große Veranstaltungsreihe, eine neuen Broschüre sowie Poster, Videos und Onlinebeiträge umfasst, informiert das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) die Landwirte über zulässige Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration ab 2021. Ziel der Kampagne ist es, den Betrieben Entscheidungshilfen aus Praxis und Wissenschaft zu geben. Dies ist nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) notwendig, weil die Schweinehalter bis Ende 2020 eine Entscheidung treffen müssen, wie sie zukünftig ihre Ferkel kastrieren wollen. Laut BLE werden in einer Broschüre des BZL die Methoden Jungebermast, Jungebermast mit Immunokastration, Isoflurannarkose sowie Injektionsnarkose vorgestellt. Vor- und Nachteile werden ebenso beschrieben wie organisatorische Voraussetzungen und betriebswirtschaftliche Konsequenzen. In den letzten Punkt sind auch neueste Wirtschaftlichkeitsberechnungen des Thünen-Instituts eingeflossen. Poster mit Ablaufplänen sollen den Mitarbeitern im Betrieb bei der korrekten Umsetzung helfen. Broschüre und Poster können ab sofort im BLE-Medienservice kostenfrei bestellt oder heruntergeladen werden. Nach BLE-Angaben hält der YouTube-Kanal des BZL außerdem zu jeder Kastrationsmethode ein Video bereit. In den rund achtminütigen Filmen berichten Schweinehalter von ihren Erkenntnissen, die sie bisher mit den Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration gesammelt haben. Auf www.praxis-agrar.de finden schweinehaltende Betriebe weitere Erfahrungsberichte sowie Informationen zu Vermarktungsmöglichkeiten und Tierschutzaspekten. Auch ein Blick ins Ausland ist möglich. Darüber hinaus organisieren der Bundesverband Rind und Schwein (BRS) sowie das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL Projekte GmbH) bundesweit bis August mehr als 100 regionale Veranstaltungen mit Erfahrungsberichten und Tipps von Praktikern. Die Termine werden auf www.rind-schwein.de sowie auf www.fibl.org und in den landwirtschaftlichen Wochenblättern veröffentlicht.



Entscheidungshilfen für die Ferkelkastration nach Bundesländern

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