22.04.2021rss_feed

Earth Day 2021: wie die Landwirtschaft zum Klima- und Ressourcenschutz beiträgt

(c) BRS: Treibhausgasemissionen der deutschen Rinderhaltung

Am 22. April soll in mehr als 170 Ländern mit dem sog. Earth Day die Wertschätzung für die Umwelt gestärkt und das eigene Konsumverhalten überdacht werden. Wir sollen daran erinnert werden, dass unser heutiges Handeln auch das Wohlbefinden zukünftiger Generationen beeinflusst. Die Idee ist super und sie sollte unterstützt werden.

In diesem Zusammenhang wird unterstellt, dass der deutsche Konsument mit einem Ernährungswandel zum Schutz des Klimas beitragen kann. Dabei stehen auch tierische Lebensmittel im Fokus. Zu Recht? Jein. Durch einen Fleischverzicht können die Treibhausgasemissionen tatsächlich gesenkt werden. Der Verzehr müsste allerdings in der EU um 50 Prozent reduziert werden, damit sie um 4 Prozent sinken. Das geht aus einer Simulation hervor, die Prof. M. Schmitz von der Universität Gießen 2019 vorgelegt hat. Bei einer Reduzierung der Fleisch- und Milchproduktion in der EU-27 um 50 % steigen die gesamten CO2äqu.-Emissionen (unter Einschluss von Methan und Lachgas) sogar um 1,4 Prozent. In der Studie wird dies auf sog. Leakage-Effekte durch weltweite Umschichtungen von Produktion und Verbrauch bei Agrargütern einerseits und durch Umschichtung innerhalb der Verbraucherwarenkörbe in Richtung zu Nicht-Nahrungsmitteln andererseits zurückgeführt. 

Andere Wissenschaftler betonen daher, dass eine nachhaltige Lebensmittelproduktion ohne Tierhaltung gar nicht möglich sei. Dabei wird u.a. auf die Kohlendioxidsenke durch Landwirtschaft hingewiesen. Für Grünland sollen das lt. Bodenzustandsbericht des Thünen Instituts rd. 1,5 Mrd. t C02äq. (= 420 Mio t Humuskohlenstoff) sein, die in den oberen 30 cm des von Rinderhaltern bewirtschafteten Dauergrünlandboden der Atmosphäre entzogen wurden. Die jährlichen Emissionen der Landwirtschaft dagegen werden vom Bundesumweltamt mit 67,9 Mio. Tonnen C02äq (8,4 % der dt. THG-Emissionen) angegeben. Der Mitigationseffekt von Grünland und Ackerfläche in Form von Dauerhumus ist schwer abschätzbar, da sich der vorhandene Humus-Pool durch Abbau und Fixierung bei günstiger Bearbeitung ungefähr die Waage halten.


Landwirtschaftlich genutzte Böden sind mit Abstand der größte terrestrische Speicher für organischen Kohlenstoff in Deutschland. Die Ergebnisse der Bodenzustandserhebung zeigen, dass im oberen Meter landwirtschaftlich genutzter Böden insgesamt rund 2,5 Mrd. Tonnen organischer Kohlenstoff gespeichert sind. Das ist mehr als doppelt soviel organischer Kohlenstoff wie derzeit in allen Bäumen (inklusive Totholz) in den Wäldern Deutschlands bevorratet ist (rund 1,17 Mrd. Tonnen).*

open_in_newhttps://www.earthday.org/

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