Rabobank erwartet bis Ende 2026 eine Neuausrichtung des globalen Schweinefleischmarktes
Die niederländische Rabobank erwartet für die zweite Jahreshälfte 2026 eine Verlangsamung der weltweiten Schweinefleischproduktion.
Kurzfristig sorgen ein Überangebot und eine stagnierende Nachfrage für niedrige Preise. Die Analysten der Rabobank sehen jedoch einen bereits laufenden Prozess der Neuausrichtung des Marktes.
Überangebot und schwacher Konsum belasten derzeit die Preise in wichtigen Erzeugerregionen. In China haben der Ausbau der Produktionskapazitäten und Produktivitätssteigerungen in den vergangenen fünf Jahren zu einem großen Überschuss geführt. Der anhaltende Rückgang des Zuchtsauenbestands dürfte das Angebot jedoch ab Mitte beziehungsweise Ende des dritten Quartals reduzieren.
Auch in Nordamerika wird für das vierte Quartal mit einer Verbesserung der Situation gerechnet. Trotz dieser Anpassungen erwartet die Rabobank aufgrund der insgesamt schwachen Nachfrage bis 2027 lediglich moderate Preiserholungen.
Der Welthandel dürfte in der zweiten Jahreshälfte relativ stabil bleiben, durchläuft jedoch erhebliche strukturelle Veränderungen. Europa verliert infolge von Tierseuchen und der geringeren chinesischen Nachfrage Marktanteile. Brasilien baut seine internationale Präsenz dagegen schnell aus und erzielt Rekordmengen beim Export.
Auf der Importseite erhöhen Länder wie Mexiko und die Philippinen ihre Einkäufe im Ausland deutlich. Im Gegensatz dazu reduziert China seine Importmengen.
Tierseuchen, geopolitische Unsicherheiten und Veränderungen in der Handelspolitik bedrohen gleichzeitig die Stabilität des internationalen Handels. Dazu gehören beispielsweise die von China auf europäische Importe erhobenen Antidumpingzölle. Die Rabobank rechnet daher auch in der zweiten Jahreshälfte mit einer hohen Volatilität.
Der Schweinefleischsektor steht zudem vor einer strukturellen Herausforderung durch veränderte Ernährungsgewohnheiten. Verbraucher in verschiedenen Märkten ersetzen Schweinefleisch zunehmend durch Geflügelprodukte. Als Gründe werden wirtschaftliche Unsicherheit und die Nachfrage nach praktischen Produkten genannt.
Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Rabobank Unternehmen der Branche, die Produktinnovation zu beschleunigen und ihr Angebot stärker an die veränderten Bedürfnisse des Marktes anzupassen.
Produktivitätssteigerungen tragen unterdessen weiterhin zum Wachstum des weltweiten Angebots bei. Die Erzeuger konzentrieren sich dabei auf die Kontrolle ihrer Kosten und eine höhere betriebliche Effizienz.
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, zunehmender Automatisierung, optimierter Fütterung und genetischem Fortschritt ermöglicht es laut Bericht, Arbeitskosten zu senken und die Produktivität zu steigern. Technologische Verbesserungen und Fortschritte bei der Biosicherheit tragen außerdem dazu bei, Produktionsprobleme infolge wiederkehrender Tierseuchenausbrüche weltweit abzufedern.
