16.05.2019rss_feed

Thüringer Schweinegipfel: Schweinehalter setzen auf Dialog

v.l.: Markus Malsch, Prof. Dr. Ulrike Weiler, Olaf Müller, Dr. Michael Elschner, Ministerin Birgit Keller, Dr. Clemens Dirscherl, Dr. Britta Becke, Gerhard Schmidt (Moderator)

Die Interessengemeinschaft der Thüringer Schweinehalter und der Thüringer Bauernverband hatten am 15. Mai nach Walterhausen zum Dialog geladen. Dieser Einladung folgten rd. 200 Teilnehmer. Darunter zahlreiche Berufskollegen und Behördenvertreter sowie Vertreter von Politik und Tierschutz. Die Verbände wollen mit dem 1. Thüringer Schweinegipfel einen Dialog anstoßen nach dem Motto: Miteinander, statt übereinander reden.

Und es gibt viel zu reden. In vielen Bereichen der Schweinehaltung fehlt Planungssicherheit aufgrund fehlender rechtlicher Konkretisierungen. So lassen sich Anforderungen an den Tierschutz nicht umsetzen.  Bestimmte gesellschaftliche erwünschte Änderungen wie der Außenklimastall oder die Stroheinstreu kollidieren mit dem Umweltschutz aufgrund höherer Emissionen oder lassen sich aufgrund des Thüriger Filtererlasses nicht umsetzen, weil diese neue, aufwändige Baugenehmigungen erfordern und den Bestandsschutz gefährden. Gleichzeitig läge das Emissionsminderungspotenzial für Ammoniak bezogen auf Deutschland unter 0,5  Prozent.  Prof. Weiler relativierte in ihrem Vortrag die Vorurteile zu vermeintlichen Risiken des Fleischverzehrs. Die Wissenschaftlerin ging ebenfalls auf Zielkonflikte bei Tier- und Umweltschutz ein. So zeigte die Fachfrau den Einfluss unterschiedlichen Haltungsverfahren auf die Höhe der Emissionen und sie stellte die relative Vorzüglichkeit nachhaltiger Intensivierungsverfahren für Effizienz und Ressourcenschutz dar. Sie warnte davor, bei der Kastration unter dem Deckmantel des Tierschutzes mehr Tierleid zu provozieren.

Dr. Simone Müller machte in Ihrer Situationsanalyse deutlich, dass häufig diskutierte spezifische Tierwohl- und Umweltschutzanforderungen Steigerungen der Produktionskosten von bis zu rund 50 EUR je Schlachtschwein bedingen können; zum Kostenausgleich müsste der Erzeugerpreis um rd. 40 Prozent steigen, weil der Mehraufwand sich sonst nicht kompensieren ließe. Für die Verbraucher bedeute das eine Preissteigerung von 10 Prozent. Die teilnehmende Landwirtschaftsministerin Birgit Keller erkannte den Handlungsbedarf, sah bei diesen Themen aber auch die Bundesministerien in der Pflicht.
Auf dem Podium stellten sich die Landwirtschaftsministerin Birgit Keller und Dr. Michael Elschner aus dem Sozialministerin den Fragen aus dem Auditorium. Mit Olaf Müller und Markus Malsch waren die Fraktionen  Bündnis90/Die Grünen und die CDU vertreten. Dr. Clemens Dirscherl vertrat das Unternehmen Kaufland.


 


open_in_newThüringer Schweinegipfel in der MDR-Mediathek