Dialog Rind Schwein

20.04.2022

Wieso hat sich der Milchverzehr durchgesetzt?

Egal ob als Trinkmilch oder zu Joghurt, Butter oder Käse verarbeitet – aus unserer täglichen Ernährung ist Milch heute nicht mehr wegzudenken. Doch seit wann konsumiert der Mensch eigentlich Milch? Dialog erinnert an die Zusammenhänge mit einem älteren Eintrag aus 2018, der nach wie vor Gültigkeit besitzt: Das Milchtrinker-Gen – und die damit einhergehende Verträglichkeit von Milch über das Kleinkindalter hinaus – führte zu höheren Überlebenschancen in mageren Jahren und konnte sich deshalb im Laufe der Zeit schnell durchsetzen.

Was man heute zusätzlich weiß: Milch ist ein natürliches Unikat und derzeit nicht imitierbar. Bezogen auf die Nährstoffdichte scheinen Nachbauprodukte auch eine schlechtere Umweltbilanz zu haben, und dabei wurde die Herkunft der Zutaten noch nicht bewertet.

 
19.04.2022

Tiere sind keine Nahrungskonkurrenten

Health for Animals (BfT)

BfT - Mitte September hat die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) die Studie Livestock: On our plates or eating at our table? veröffentlicht. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die tierische Veredelung keine Nahrungsmittelressourcen aufzehrt, die ansonsten direkt, also über pflanzliche Produkte, zur Sicherung der Ernährung der Weltbevölkerung zur Verfügung stünden. Laut FAO sind Tiere somit keine Nahrungsmittelkonkurrenten, sondern wichtiger Bestandteil der weltweiten menschlichen Nährstoffversorgung.

 
14.04.2022

Welche Rolle spielt die Eiweißquelle für das Klima?

Grafik Dr. Rubach

Wer tierische Proteinquellen nutzt, schadet dem Klima, liest man derzeit überall. Daraus wird die Forderung abgeleitet, weniger Fleisch zu verzehren. Der Ernährungswissenschaftler und Buchautor Dr. Malte Rubach erinnert daran, dass die Zusammenhänge komplizierter sind, als allgemein angenommen. Es könne nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass mit einem höheren Anteil pflanzlicher Nahrungsproteine gleichzeitg weniger Treibhausgase entstehen. Entscheidend hierfür sei die Klimaeffizienz des gesamten Lebensmittel-Produktionssystems. So lägen die Emissionen der deutschen Lebensmittelerzeugung auf einem ähnlichen Niveau, wie das der Länder Nigeria, Äthiopien, Bangladesch oder Tansania, trotz deutlich geringerer Pflanzeneiweißanteile. Der Experte führt dies u.a. auf unterschiedliche Effizienz bei der Erzeugung und Lebensmittelherstellung zurück. Rubach empfiehlt, künftig die Produktionseffizienz bei der Bewertung von Lebensmitteln im Rahmen von Ökobilanzanalysen stärker zu berücksichtigen.

 
12.04.2022

Analogfleisch wird den Planeten nicht retten

Ein aktueller Bericht von IPES-Food,  The Politics of Protein: Examining Claims about Livestock, Fish, 'Alternative Proteins' and Sustainability , wirft ein Licht auf irreführende Verallgemeinerungen, die die öffentliche Diskussion über Fleisch und Protein dominieren, und warnt vor den Risiken. Es ist leicht einzusehen, warum die Leute von Marketing und Hype angezogen werden, aber Fleisch-Techno-Fixes werden den Planeten nicht retten. In vielen Fällen werden sie die Probleme mit unserem industriellen Ernährungssystem verschlimmern – Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, industrielle Monokulturen, Umweltverschmutzung, schlechte Arbeitsbedingungen, ungesunde Ernährung und Kontrolle durch riesige Konzerne. So wie Elektroautos keine Wunderwaffe zur Bewältigung des Klimawandels sind, werden diese Lösungen unser schädliches industrielles Ernährungssystem nicht reparieren. Wir müssen das System ändern – nicht das Produkt.  (Phil Howard, Hauptautor des Berichts)

IPES-Food is an independent panel of experts shaping debates on how to transition to sustainable food systems around the world.

 

 
12.04.2022

Mehr Importe durch "Planetary Health Diet"?

(c)M.EXpert: Dr.Malte Rubach zu den Folgen der Planetary Health Diet

Die Planetary Health Diet ist umstritten. Die Ernährungsempfehlungen sollen sich wissenschaftlich nicht begründen lassen. Der Ernährungswissenschaftler Dr. Malte Rubach hat kalkuliert, was eine Umsetzung für Deutschland bedeuten würden, allerdings nur bezogen auf die empfohlene Verzehrsmenge für Hülsenfrüchte (eine wirtschaftliche Folgenabschätzung wurde 2019 von Prof. Schmitz et. al. vorgenommen).

 
12.04.2022

Lebensmittel: 80 Prozent der Verbraucher lehnen Ersatzprodukte für Fleisch und Milch ab

Fleischersatzprodukte

Eine vom Projekt Lebensmittelklarheit veröffentlichte Umfrage zur Kennzeichnungserwartung an vegane und vegetarische Ersatzprodukte verdeutlicht die große Skepsis der Verbraucher gegenüber Ersatzlebensmitteln. Nur 20 Prozent der Befragten geben an, diese uneingeschränkt bzw. viel zu verzehren. 98 Prozent essen mehr oder weniger tierische Produkte wie Milch und Käse, 83 Prozent Fleisch und 83 Prozent Fisch.

 
08.04.2022

Achtzehnjährige Brandenburgerin gibt spannende Einblicke in ihren Alltag als Landwirtin

(c)DBV: Bilder der Woche: Pauline erklärt auf Instagram ihren Berufsalltag

Ich bin Pauline, 18 Jahre alt und komme aus dem wunderschönen Havelland in Brandenburg. Ich werde dieses Jahr mein duales Studium 'Agrarwirtschaft' anfangen und beginne dafür bald die Ausbildung zur Landwirtin. In der Landwirtschaft sind die Kühe meine große Leidenschaft, so wirbt Pauline aus Brandenburg für Ihren Lieblingsberuf auf Instagramm.

 
07.04.2022

Milchkühe werten pflanzliches Eiweiß auf

Prof. Dr. Katrin Mahlkow Nerge

Milchkühe erzeugen aus faserhaltigem Pflanzenmaterial, das für Menschen unverdaulich ist, Eiweiß höchster Qualität in Form von Milch und Fleisch. Der größte Teil der organischen Pflanzensubstanz besteht aus Kohlenhydraten, speziell Zellulose. Diese stellt die Gerüstsubstanz der Pflanzen dar und ist durch Monogastrier, zu denen auch der Mensch zählt, nicht direkt verwertbar. Anders Bakterien, die z.B. im Pansen von Wiederkäuern vorkommen. Sie besitzen die für die Zelluloseverdauung notwendigen Enzyme und können beachtliche Mengen an zellulosereichem Material verdauen. Davon profitiert das Tier, aber auch der Mensch. Durch die Verfütterung von überwiegend zellulosereichem Futter sinkt die Nahrungskonkurrenz, es können zusätzliche Ressourcen für die menschliche Ernährung erschlossen und tierische Proteine erzeugt werden, die eine höhere biologische Wertigkeit besitzen, als das der verfütterten Pflanzen.

 
06.04.2022

Neue Methode zur Messung von Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft

Myles Allen, Ph.D. , Professor für Geosystemwissenschaften und Leiter der Climate Dynamics Group an der Oxford Martin University of Oxford, glaubt, dass die Auswirkungen von Methanemissionen auf die globale Erwärmung falsch berechnet werden – mit negativen Aufwirkungen für die Bedeutung der Tierhaltung am Klimawandel. Weltweit tragen Nutztiere 14,5 Prozent zu den gesamten jährlichen Treibhausgasemissionen bei, wobei Methan 44 Prozent davon ausmacht. Methan hat ungefähr das 28-fache Erwärmungspotential von C02, verhält sich in der Atmostphäre aber ganz anders. Es wird innerhalb von 10 Jahren abgebaut. Kohlendioxid hingegen sei ein Lagergas. Es bleibe Hunderttausende von Jahren in der Atmosphäre bestehen und erzeugt einen kumulativen Effekt, informiert der Wissenschaftler. Der Weltklimarat widmet sich dem Thema in Kapitel 7 des aktuellen Klimaberichtes (Seite 7-125, Box 7.3).

 
06.04.2022

Nutztierhaltung und die Diskussion um die Nahrungsmittelkonkurrenz

Futteraufkommen

Jede Krise birgt die Gefahr, dass sie von politischen Akteuren zur Umsetzung ihrer Forderungen instrumentalisiert wird. So auch jetzt die Auswirkungen des russischen Angriffs auf die Ukraine auf die globalen Agrarmärkte, schreibt der Agrarökonom Niklas Frohn in seinem Blog Agropolit-X. Gegner der Nutztierhaltung nutzen die Eskalation des Konfliktes, um Stimmung zu machen. Ganz besonders hartnäckig hält  sich die Behauptung, dass Nutztiere uns das Essen wegessen würden. Statt Tierfutter, könnte auf den Ackerflächen auch Getreide, Bohnen und Gemüse für die menschliche Ernährung angebaut werden. Doch ist das wirklich so?, fragt Frohn und gibt wichtige Hintergrundinformationen mit einem historischen Rückblick und Daten & Fakten zur Futtermittelproduktion in Deutschland. Er erinnert daran, dass der überwiegende Teil (rund 85%) der für Futterzwecke verwendeten Agrarrohstoffe nicht für die menschliche Ernährung nutzbar ist. Weitere Hintergrundfakten liefert Dr. Willi Kremer-Schillings alias Bauer Willi". Der theoretische Anteil des nutzbaren Getreides im Futter liegt bei maximal 9,4 Prozent.