BRS News

30.11.2016

Rind und Schwein in einem Dachverband

Angesichts des fortschreitenden Strukturwandels in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung sowie der Notwendigkeit, auch auf Verbandsebene Ressourcen so effizient wie möglich zu nutzen, haben die Dachverbände der Rinderzucht und Schweineproduktion intensiv über einen Zusammenschluss verhandelt: die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter (ADR), der Zentralverband der Deutschen Schweineproduktion (ZDS), der Bundesverband der Fleischrinderzüchter und –halter (BDF), der Deutsche Holstein Verband (DHV), die Arbeitsgemeinschaft Süddeutscher Rinderzucht- und Besamungsorganisationen (ASR) sowie der Deutsche Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfung (DLQ). Am 29.11.2016 wurde nun in der Hessenhalle in Alsfeld von den rund 160 Delegierten mit der Gründung des Bundesverbandes Rind und Schwein der erste Schritt vollzogen. Ziel der Reform ist die Bündelung der Kräfte der bisherigen Verbände für eine starke Vertretung der angeschlossenen Mitglieder mit den Wirtschaftssektoren Rinder- und Schweinehaltung.
 
24.11.2016

Woher kommen MRSA-Keime wirklich?

Staphylococcus Aureus ist ein Bakterium und gehört zur normalen menschlichen Keimflora. Leider tragen mittlerweile mehr als 30 % der dt. Verbraucher deren resistente Variante, ohne etwas davon zu merken. Dieser resistente Keim kann zu Infektionen führen, die mit herkömmlichen Antibiotika kaum noch zu behandeln ist. Das Leid der Betroffenen ist unbeschreiblich. Deshalb eignet sich das Thema eigentlich nicht für eine Polarisierung zu Lasten von Veterinär- oder Humanmedizin. Es gilt die Ursachen zu beseitigen und Betroffenen zu helfen. Dem ARD-Magazin Plusminus ist hierzu ein guter Beitrag gelungen. Er nimmt die Humanmedizin und den Verbraucher in die Verantwortung. Weniger ausgewogen erscheint dagegen ein Beitrag des Bayerischen Rundfunks. Er fokussiert auf die Tierhaltung und sieht Tierställe als Brutstätte für resistente Keime. Damit werden Kausalzusammenhänge geschaffen, die fachlich so nicht haltbar sind.
Der ZDS hat daher versucht, den Stand der Wissens auf der Basis von BfR- und BVL-Informationen zusammenzutragen. Ergänzt wurde das Dokument um eigene Recherchen.

 
25.10.2016

Lebensmittelverschwendung oder -verluste?

Seit Anfang des Jahrhunderts hat sich die Weltbevölkerung vervierfacht - und sie soll bis zum Jahr 2050 die 11 Mrd.-Grenze reißen. Mit einer Extensivierung der Landwirtschaft, wie sie in Deutschland angestrebt wird, werden wir die Herausforderung, die sich daraus ergeben, nicht lösen. Gleichzeitig stecken Staat und private Initiativen viel Engagement in die Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Was gut gedacht ist, wird den Hunger aber nicht beseitigen. Die Projekte sind allenfalls geeignet, die Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln zu steigern, was schon ein enormer Fortschritt wäre.
Wer sich wundert, warum soviele Lebensmittel oder Rohwaren auf dem Müll landen, der sollte den Artikel des Wissenschaftsjournalisten Lars Fischer (Warum landen so viele Lebensmittel im Müll?) dringend lesen. Der Journalist erklärt sehr ausführlich und nachvollziehbar die Unterschiede zwischen Lebensmittelverschwendung und Lebensmittelverlusten. Was wir als Verbraucher selber dagegen tun können - und was eben nicht.
 
18.10.2016

Arzneimittel in Fließgewässern

Jährlich gelangen mehr als 8.000 Tonnen umweltwirksame Medikamente über die Toiletten in die Umwelt. Dazu kommen resistente Keime aus Haushalten und Kliniken.
Das Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat jetzt die Ergebnisse eines Forschungsprojektes vorgelegt, wonach etwa 30 Prozent der Flüsse in Niedersachsen mit Abwässern in unterschiedlichem Ausmaß mit Medikamenten aus privaten Haushalten belastet seien. Erhöhte und hohe Belastungen gebe es in Stadtnähe (Hannover/ Braunschweig und Osnabrück). Nur 16 Prozent der Flüsse könnten als sehr gering oder gering belastet betrachtet werden.
 
14.10.2016

Wer herkömmliche Systeme "wenden" will, muss die Kosten solidarisieren

Die deutsche Energiewende wird den dt. Steuerzahler nach aktuellen Schätzungen rd. 520 Mrd. Euro kosten (Welt: Energiekosten explodieren). Und die Kosten reißen nicht ab. Mit der proklamierten Agrarwende wird der Steuerzahler erneut zur Kasse gebeten. Diese Wende ist erklärtes Ziel von Bündnis 90 / Die Grünen für den Wahlkampf 2017.
Erste Schätzungen für die Kosten gibt es auch schon, allerdings nur für eine zukunftsfähige Tierhaltung. Im Gutachten des Sachverständenbeirates für Politik und Verbraucherschutz wird ein Betrag von 10 Mrd. Euro genannt - jährlich. Diese Kosten sind fahrlässig niedrig geschätzt. aber doch so hoch, dass jeder Politiker aufhorchen sollte, zumal es sich nur um die Kosten für die Tierhaltung handelt. Kommt dann noch die Umstellung auf 20 % Ökolandbau hinzu - dieses Ziel findet sich auch auf der Internetseite des CSU-geführten Landwirtschaftsministerium - lässt sich vor dem Hintergrund aktueller Prämienzahlungen erahnen, dass auch eine Agrarwende richtig viel Geld kosten wird und von der Landwirtschaft nicht gestemmt werden kann. Wer die Umsetzung gesellschaftlicher Ziele fordert, muss die Kosten - wie bei der Energiewende - solidarisch auf die Gesellschaft umlegen. Vorschläge wurden im Gutachten gemacht. Es geht um eine Umverteilung von Agrarzahlungen aus der ersten in die zweite Säule. Dafür finden sich auf EU-Ebene aber keine Mehrheiten. Wo soll also das Geld herkommen? Dazu hört man in den politischen Forderungen nichts.
Und bei allen Diskussionen um eine neue Agrarausrichtung: wo sind die sozio-ökönomischen Folgenabschätzungen - nicht nur für Deutschland? Und letztlich: ist bereits zweifelfrei geklärt, wie sich die Wende für die Tiere und die landwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit auswirkt, wenn eigene Tierschutzvorschriften schon innerhalb der EU unterlaufen werden? (sk)
 
12.10.2016

Schließen sich Ökologie und Gentechnik aus? Nicht unbedingt, findet Prof. Schäfer

Im Interview mit dem Zeit-Journalisten Bernd Eberhart widerspricht der Ökologe Hanno Schäfer, Professor für Biodiversität der Pflanzen an der TUM, der These, dass Ökologie und grüne Gentechnik sich prinzipiell ausschließen. Er wirbt sogar für die Ausweitung der grünen Gentechnik und ist damit nicht allein. Der Schweizer Ökowissenschaftler Urs Niggli hatte sich im Interview mit der TAZ ähnlich geäußert - und dafür viel Kritik einstecken müssen.
Allerdings scheint der Widerstand mit neuen biotechnologischen Methoden, die auf einen Einbau von Fremdgenen verzichten, tatsächlich zu sinken. Stefan Jansson von der Universität Umeå hatte in seinem Garten das erste CRISPR-Gemüse angebaut und öffentlichkeitswirksam verkostet, um zu der Auseinandersetzung um die rechtliche Einstufung von neuen Züchtungsverfahren und deren Beurteilung beizutragen. Auch in Amerika denkt man über einen Einsatz von Gentechnik im Ökolandbau nach.
Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, die Kritik an der Gentechnik zu überdenken und sich die Studien, die Risiken proklamieren, noch einmal genau anzuschauen?

 
11.10.2016

Freischaltung des Portals „Aniplus“ zur Optimierung der Tiergesundheit und Minimierung des Antibiotika-Einsatzes

Es ist soweit: Zwei Jahr nach Projektstart soll die Informationsplattform Aniplus am 17. Oktober online geschaltet werden. Die Plattform will Tierhaltern Anregungen gebe, mit welchen Strategien der Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung weiter gesenkt werden kann. Mit der Plattform können sich Landwirte ein konkretes Maßnahmenpaket zusammenstellen. Ergänzt werden die Informationen mit einem Beratungsangebot zu Tierwohl und Tiergesundheit.
Das Landwirtschaftsministerium Niedersachsen fördert das Projekt in Ergänzung seiner landesweiten Antibiotika-Minimierungsstrategie. Gemeinsam mit der Branche arbeitet das Land an der Reduzierung von Gesundheitsgefahren durch resistente Keime. Weitere Unterstützer dieses Projektes sind die Metropolregion Nordwest, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie die Landkreise Cloppenburg und Vechta.Die vielfältigen Informationen des neuen Portals wurden in einer zweijährigen Aufbauphase durch Unternehmen, Behörden, Wissenschaftler, Tierärzte und aktive Landwirte zusammen getragen.
 
06.09.2016

Beirat fordert nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft

11 Milliarden Menschen im Jahr 2050 wollen ernährt werden. Eine riesige Herausforderung für die Landwirtschaft, die nach Meinung der Beirat im Bundeslandwirtschaftsministerium nur mit einer nachhaltigen Intensivierung der Landwirtschaft gelingen kann. Damit schließen sich die Beiräte der FAO-Meinung an. Gleichzeitig kann das Gutachten, dass gerade erst veröffentlicht wurde, zu einer Versachlichung der Klimaschutzdiskussionen führen, weil es die Regionen in die Pflicht nimmt, die besonders gut mit Ressourcen (Wasser, Boden..) ausgestattet sind. Mit der Feststellung, dass eine flächendeckende Extensivierung, eine Autarkie in der Eiweißversorgung oder eine verordnete flächendeckende Umstellung auf den ökologischen Landbau im Sinne des Klimaschutzes nicht sinnvoll sei, stellen die Beiräte auch manche klimapolitische Legende in eine neues Licht. Letztlich bedeutet das auch, dass Europa viel mehr Ressourcen intensive Produkte, wie z.B. tierische Produkte, exportieren muss. Leider sind die Beiräte hier nicht konsequent und verkennen die Chancen der dt. Fleischproduktion für den globalen Klimaschutz. Die vom BMUB angestrebte Halbierung der Tierbestände oder eine Bevormundung bei der Ernährung sind angesichts der riesigen Nahrungsmittelnachfrage auch nach tierischen Produkten der falsche Weg. Was leider auch fehlt, ist eine Bekenntnis zur Biotechnik. Welche Rolle kann und darf z.B. Genediting für die Züchtung von trocken- oder salztoleranten Getreidesorten spielen? Antworten sucht man in dem Gutachten vergeblich.

 
01.09.2016

Beim Wasserverbrauch müssen wir umdenken und mehr verbrauchen - meinen Experten

Der deutsche Wasserspar-Tick soll teure Folgen für die Infrastruktur haben, will der WiWo-Kolumnist Marcus Werner herausgefunden haben. Weil wir nur noch durchschnittlich 120 Liter täglich verbrauchten, stehe das Wasser zu lange in den Leitungen und verliere an Qualität. Außerdem bestehe die Gefahr, dass das Abwasserleitungen verstopften und aufwändig gespült werden müssten. Hohe Kosten zu Lasten des Wassernutzers. Letztlich habe die deutsche Erziehung zum Wassersparen dazu beigetragen, dass der Wasserpreis steigen musste, weil die Fixkosten für die Wasseraufbereitung bei rd. 90 % der Gesamtkosten lägen - unabhängig von der Wassermenge. Wenn hohe Kosten auf weniger Wasser umgelegt wird, müssen die Wasserkosten steigen, obwohl wir als Gunststandort mit reichlich Regen keine Angst vor Wasserknappheit haben müssten.

Anm. d. Red.: Diese Gunstlage verschafft uns einen Riesenvorteil bei den Exporten von Wasser intensiven Produkten wie Autos oder Lebensmittel. Gleichzeitig entlasten wir damit wasserarme Regionen.

 
22.08.2016

Woher stammen multiresistente Keime?

Bakterien kommen überall vor. Das gilt auch für multiresistente Keime. Bekannt ist auch, dass jeder Antibiotikaeinsatz resistente Bakterien selektieren kann, insbesondere dann, wenn diese antibakteriell wirkenden Medikamente (AB) nicht vorschriftsmäßig eingenommen werden oder bereits gegen das verschriebene AB resistente Bakterien vorhanden sind. Viel zu häufig sollen auch sog. Reserveantibiotika verschrieben werden.
Häufig aber erfolgt eine Schuldzuweisung zu Lasten der Veterinärmedizin. Das ist falsch, zumal jeder dritte Verbraucher Träger von resistenten Keimen sein soll, ohne selber zu erkranken. Ein aktuelles Patientenmonitoring an sechs deutschen Universitätskliniken verdeutlicht das Risiko. Ungefähr jeder 10. Patient kam bereits mit multiresistenten Keimen ins Klinikum. Die Risiken sind eigentlich bekannt: häufig mit Antibiotika behandelte Patienten, Fernreisende, Heimtierbesitzer und Personen, die beruflich viel mit Tieren zu tun haben. Aber auch dies lässt in der Regel keine gesicherten Rückschlüsse auf MRSA-Infektionen in Kliniken zu, weil die gefürchteten MRSA-Keime meist nicht pandemisch vorkommen.